12. März 2026

KI unterstützt Mitarbeiter

Geschäftsführer Daniel Einhäupl

Sie wurden gegründet, als es noch längst keine Computer gab, sagt Daniel Einhäupl, Geschäftsführer der gleichnamigen GmbH in Weiden, und ohne solche habe es auch lange Zeit sehr gut funktioniert. Heute allerdings helfe Technik, insbesondere die Verwaltungsarbeit des Feuerverzinkungsbetriebs schneller und effizienter zu erledigen. Deshalb investierte der Unternehmer ohne wirklich zu wissen was KI ist in diese neue Technologie, um einen noch besseren Überblick über die Rentabilität seiner Produkte zu gewinnen.

 

Herr Einhäupl, Sie sind die sechste Generation eines inhabergeführten Familienbetriebs, der sich seit 50 Jahren als reiner Dienstleister auf den Korrosionsschutz konzentriert. Welche Rolle kann dabei KI spielen?

Daniel Einhäupl: Ausgehend von einem ERP-System, das für den Handel konzipiert ist, mussten wir bis Ende 2023 eine ganze Menge an Verrenkungen anstellen, um es für uns überhaupt nutzbar zu machen. Ein Hauptproblem blieb dabei bis zuletzt ungelöst: Uns hat der detaillierte Überblick auf Produktebene darüber gefehlt, welche Aufträge wir kostendeckend ausführen und welche nicht. Preise zu kalkulieren und Angebote zu schreiben war oft mit einer Abstimmung zwischen Vertrieb und Produktion verbunden – nach dem Motto: ‚Was meinst denn du? Na ja, das sind viele größere Teile, das kann schon schneller und damit günstiger machen…‘

 

Das klingt ehrlich gesagt nicht nach passgenauer Preiskalkulation…

Einhäupl: Grundsätzlich haben wir in der Vergangenheit unsere Dienstleistungen schon marktgerecht angeboten und tun es noch. Sonst würde es uns nicht so lange geben. Aber es ist richtig, dass unser Aufwand, die Kosten unserer Produkte zu ermitteln, bisher doch recht hoch war. Und genau das wollen wir ändern. Dazu haben wir im ersten Schritt begonnen, unsere Kundenstücklisten aufzudröseln und die einzelnen Teile in verschiedene Kategorien wie zum Beispiel ‚Schlosserware‘, ‚Fahrzeugrahmen‘ oder ‚Stahlbau leicht‘, ‚Stahlbau schwer‘ und viele weitere Kategorien einzuteilen – und das händisch.

 

Wie lief das genau ab?

Einhäupl: Unsere Mitarbeiter saßen mit Textmarker und Lineal da, auf Dauer eine sehr ermüdende Arbeit, bei der irgendwann mit Sicherheit Fehler passieren. Bei einem Vortrag der IHK durch Herrn Vogel, den wir als Impulsvortrag für eine ‚Inhouse-Schulung‘ gewinnen konnten, fiel dann die Phrase ‚in Stücklisten einteilen‘, und das ließ mich und meine rechte Hand, Herrn Pöss, hellhörig werden. Noch während des Vortrags haben wir das im Internet recherchiert. Wir haben daraufhin bundesweit ausgeschrieben und hatten eine Menge günstiger Angebote. Allerdings waren viele nur in der Umsetzung billig, dafür in den laufenden Kosten sehr teuer.

 

Inwiefern?

Einhäupl: Abhängig von der Technologie wie das Projekt umgesetzt worden wäre, wären das pro Stücklistenseite bis zu 40 Cent gewesen, das macht bei unserem Volumen einen mittleren fünfstelligen Betrag an laufenden Kosten pro Jahr aus. Wir haben uns daher für ein Startup aus Kemnath entschieden, nTwig, bei dem voraussichtlich etwa 400 Euro jährliche Ausgaben entstehen. Das liegt an der Technik: Bei diesem System wird nicht jedes Mal die ‘große KI’ gefragt, sondern zunächst nach gleichen Fällen in der Vergangenheit in der eigenen Datenbank gesucht. Das spart Datentraffic.

 

Wie funktioniert das System heute?

Einhäupl: Zunächst läuft das Stücklisten-PDF durch einen OCR-Prozess, dabei wird erkannt, wenn Kundeninformationen fehlen, es Streichungen oder händische Ergänzungen gibt. Diese werden dann vervollständigt. Im zweiten Schritt wird plausibilisiert, zum Beispiel das Gewicht und die Länge in Relation betrachtet. So fallen Unstimmigkeiten auf, die bei unserem Kunden auf der Stückliste erfasst wurden.

Anschließend geht es um die eigentliche, eingangs erwähnte, Zuordnung der auf der Stückliste vorhandenen Einzelpositionen. Die KI weist den einzelnen Positionen die vorgegebenen Kategorien zu. Die KI übernimmt also das, was zuvor Mitarbeiter mit Textmarker und Lineal erledigt haben. Anschließend wird das Ganze automatisiert ins ERP-System exportiert, welches den Auftrag für die Fertigung generiert. Und das alles in einem Bruchteil der zuvor benötigten Zeit.

 

Wie haben Sie es geschafft, Akzeptanz für die Implementierung zu bekommen?

Einhäupl: Die Mitarbeiter haben sofort den Benefit gesehen – Stichwort Textmarker. Das hat die Dinge immens erleichtert und auch die Sorgen zerstreut, dass irgendjemand ersetzt werden könnte.

 

Wann und wie kommt die Kalkulation ins Spiel?

Einhäupl: Wir haben in der Fertigung Zeiterfassungssysteme, mit deren Hilfe unsere Mitarbeiter Zeiten auf unsere Produktionsartikel erfassen, ganz klassisch mit eine Start- und Stopchip. Auf diese Weise verschaffen wir uns die Datengrundlage für die Kalkulation und können fortan bei jedem Auftrag ganz genau sagen, ob er sich rentiert oder eben nicht.

 

Und weichen die neuen Erkenntnisse stark von der bisherigen Preisgestaltung ab?

Einhäupl: Das können wir noch nicht genau sagen, denn das System ist erst seit Anfang 2026 vollumfänglich im Einsatz. Momentan bearbeiten wir pro Standort damit zwölf bis 15 Stücklisten pro Tag, Tendenz stark steigend – und das freut mich wirklich sehr.

 

Wie soll das System aussehen, wenn es ‚fertig‘ ist?

Einhäupl: In Zukunft erwarte ich mir, dass das System für jede Anfrage einen Verkaufsvorschlag macht. Der Vertrieb entscheidet dann, was er damit tut. Das ist ganz wesentlich, und der Mensch bleibt hier weiterhin unverzichtbar, denn nur er kennt die Kunden, die Märkte und weiß, welchen Preis er anbieten will, um jedem Kunden das richtige Angebot zu machen.

 

 

Einhäupl zählt zu den leistungsstärksten Unternehmen in Deutschland für Feuerverzinkung mit großem Zinkbecken. Das Unternehmen verzinkt alle Bauteile von kleinsten Schrauben bis zu großen Stahlkonstruktionen wie z. B. bei Parkhäusern. Zudem bietet Einhäupl auch Industriebeschichtungen und Autokrandienstleistungen an und beschäftigt knapp 250 Mitarbeitende an vier Standorten in Deutschland, Stammhaus ist Weiden. Den Grundstein für das Unternehmen legte Andreas Einhäupl bereits im Jahr 1861 mit der Gründung einer Schlosserei.

Mehr über das Projekt:

Ansprechpartner

Dr. Fabian Liedl

Wirtschafts­förderung Stadt Weiden i.d.OPf.

Christina Reißig

Wirtschafts­förderung Stadt Weiden i.d.OPf.